Traditionelle Beerdigungen in Flandern nicht mehr selbstverständlich: 4 von 5 entscheiden sich für eine Einäscherung

Bei Beerdigungen entscheiden wir uns immer häufiger für eine Einäscherung und immer seltener für eine Beerdigung.

Im Jahr 2023 wurden 78 Prozent der verstorbenen Flamen eingeäschert. Die anderen wurden beerdigt. Bemerkenswert: In Brüssel und Wallonien ist das Verhältnis ganz anders. Dort sind nur etwas mehr als die Hälfte der Beerdigungen Einäscherungen.

Bei Beerdigungen entscheiden wir uns immer häufiger für eine Einäscherung und immer seltener für eine Beerdigung. Das geht aus Zahlen des Vereinigten Netzwerks öffentlicher Krematorien (VNOC) hervor. Vor allem in Flandern wird die Einäscherung bevorzugt. Bei fast 4 von 5 Todesfällen kommt es dazu.

„Die Einäscherung bietet mehr Möglichkeiten“, sagt Thomas Heiremans, Direktor Flandern beim Bestattungsunternehmen Sereni. „Bei einer Beerdigung ist die letzte Ruhestätte des Verstorbenen per Definition ein Friedhof. Bei einer Einäscherung kann man die Asche in ein Kolumbarium bringen, aber man kann sie auch zu Hause aufbewahren. Sogar das Verstreuen auf See ist eine Option.“

Die Kosten sind jedenfalls keine Erklärung für die hohe Zahl an Feuerbestattungen. „Eine Feuerbestattung ist nicht unbedingt billiger als eine Beerdigung. Man muss auch die Kosten für die Einäscherung mit einrechnen. Bei einer Beerdigung kommen noch die Kosten für einen Grabstein hinzu. Aber die gibt es in allen Preisklassen.“

Wallonien und Brüssel

In Wallonien wird nach wie vor viel beerdigt. Das Gleiche gilt für Brüssel. Dort war der Anteil der Einäscherungen sogar lange Zeit rückläufig.

Die besondere Situation in Brüssel hat zwei Ursachen. Das weiß Tom Wustenberghs, Vorsitzender des VNOC und Geschäftsführer des Krematoriums Pontes.

„Einerseits sind in den letzten Jahren einige Krematorien rund um Brüssel hinzugekommen. Brüsseler, die ein Krematorium außerhalb ihrer Region wählen, werden somit in den Zahlen für Flandern oder Wallonien erfasst. Eine weitere wichtige Erklärung ist die große muslimische Gemeinschaft in Brüssel. Nach den islamischen Glaubensregeln ist es nicht erlaubt, Verstorbene zu verbrennen.“

In Wallonien sieht Wustenberghs einen Unterschied zwischen den Städten und dem ländlichen Raum. „In dicht besiedelten Gebieten ist der Anteil der Einäscherungen höher. Auf dem Land denkt man traditioneller über Beerdigungen. Daher ist die Entwicklung dort nicht so stark wie in Flandern.“

Außerdem gibt es in Wallonien weniger Krematorien als in Flandern.

Resomation

In Zukunft könnte noch eine dritte Option hinzukommen: die Resomation. Dabei handelt es sich um ein Verfahren, bei dem der Leichnam des Verstorbenen in einer Mischung aus Wasser und Chemikalien aufgelöst wird. Die flämische Ministerin für Inneres, Hilde Crevits (CD&V), hat die Resomation bereits auf die Tagesordnung gesetzt.

„Der Abschied von einem geliebten Menschen ist schwer und jeder erlebt ihn auf seine eigene Weise“, heißt es. „Ich bin auf jeden Fall offen für neue Techniken wie die Resomation als Alternative zur klassischen Bestattung. Sie gibt den Menschen und ihren Angehörigen mehr Möglichkeiten, das zu tun, was sich für sie richtig anfühlt. Deshalb werde ich so schnell wie möglich Schritte unternehmen, um einen klaren Rechtsrahmen dafür auszuarbeiten.“

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